Unter Schafen

Aug 19th, 2013 Posted in Carolin, Persönlichkeiten | no comment »

“Im Grün”. So heißt eine Straße in Freiburg. Fünf Wochen sind wir nun schon fort aus Wahlheimat Nummer eins. Vor zwei Wochen in die Wahlheimat Nummer zwei gezogen.

“Im Grün” sitzen wir auch hier. Seit Freitag wohnen wir im Internationalen Youth Hostel Glendalough. Bekannt als irisches Nationalerbe nimmt uns die verzauberte Landschaft um die Ruinen der alten Klosteranlage aus dem 6. Jahrhunder einigermaßen den Atem. Tiefgrüne Farnhaine, saftiges Gras, blühende Ginsterbüsche, alte, knorrige Bäume, dazwischen immer wieder blökende Schafe, mossbewachsene, alte Steinmauern, sprich: wir (er-)leben das typische Postkarten-Irland-Klischee.

Der eine oder die andere kann eventuell nachvollziehen wie sehr wir die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses Ortes nach zwei Wochen des Großstadtlebens genießen.

 

Dublin ist toll. Ich liebe diese Stadt. Sie ist voller Geschichte, laut, dreckig, hübsch, mit sorgfältig gepflegten, blumengeschmückten Parkanlagen, voll von hilfsbereiten Menschen, Doppeldeck-Bussen, historischen Gebäuden, kleinen, schnuckeligen Cafes, gleich zwei Lush-Filialen, dem Queen of Tarts und vielen meiner Erinnerungen.

Ebenso kann sie aber auch laut (Musikbeschallung in Einkaufszentren; Gruppen von französischen Teenagern auf Klassenfahrt, die spät im Hostel ankommen und alles ganz aufregend finden), teuer (Lebensmittel, Getränke, Essen gehen, Kuchen im Queen of Tarts (immer noch knapp unter fünf Euro), alles im Allgemeinen), nervenaufreibend (Busfahren mit ordentlichem Kinderwagen (wohl der einzige in ganz Dublin) statt zusammenfaltbarem Buggy; mit zwei Kindern ohne Freund im Regen mit Kinderwagen, Schirm und Tochter den allgegenwärtigen Hundehäufchen ausweichen), gefährlich (Straßenverkehr, bzw. bisweilen die Fahrweise einiger Wagenlenker) und anstrengend (ständiges Laufen durch Menschenmassen und sich dabei immer wieder bei den Leuten entschuldigen, die einen anrempeln (gehört hier zum guten Ton, ist hier so, nicht zu ändern, wie Ebbe und Flut, war schon immer so, wird nicht zu ändern sein, frag nicht warum) oder die man versehentlich selbst angerempelt hat; die Überlegungen, die man zum Thema “wie erklär’ ich’s meinem Kinde, warum sich hier keiner an die Regel “bei Rot stehen, bei Grün gehen” hält und warum wir sie inzwischen selbst ignorieren, sprich: bei Rot gehen, obwohl wir das in Deutschland nie so gemacht haben und die Kleinste dies dennoch nicht und niemals alleine tun darf” anstellt) sein.

 

Kurz gesagt: ich bin froh, dass wir mit den beiden Kindern nicht in der großen, großen Stadt, sondern in etwas Kleinerem, Gemütlicherem wohnen werden. Bray ist überschau- und erlaufbar und hat dennoch mehr als nur das Obligatorische (Kirche, Schule, Pub). Außerdem liegt es am Meer. Ja, am Meer! Sowas ist sehr wichtig. Ganz wichtig.

Wir haben dort ein kleines Häuschen gefunden, das wir ab nächstem Mittwoch beziehen können. Fotos folgen.  Es liegt ca. zehn Minuten strammen Fußmarsches vom Strand entfernt in einer verkehrsberuhigten, kleineren Siedlung. Da es zuvor von den Eigentümern bewohnt war und nur knapp zwei Jahre zwischenvermietet wurde, ist es nicht nur geschmackvoll eingerichtet (durch und durch stilvolle Massivholzmöbel — in den allermeisten zu vermietenden Häusern ist bei der Inneneinrichtung eher nach Funktionalität vorgegangen worden, heißt, dass zwar Möbel vorhanden sind, diese aber den Eindruck erwecken, als seien es allesamt Schenkungen aus dem weiteren Bekanntenkreis gewesen), sondern auch in einem wirklich gepflegten Zustand.

 

Und es scheint vor allem trocken zu sein (auch die Badezimmerdeckenecken). Das ist nicht selbstverständlich. Außerdem werden wir nun einen kleinen Garten mit Terrasse und Kletterbaum haben, was uns nach den vielen Jahren in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung schon alleine beim Daran-Denken in Hochstimmung versetzt. Man möge uns verstehen. Und uns unsere Euphorie verzeihen.

 

Da das Abenteuer Bray erst Mitte der Woche beginnen wird, müssen wir solange noch mit dem Hostel vorlieb nehmen. Leider war das in Dublin seit Freitag ausgebucht und so kurzfristig ein Familienzimmer für fünf Tage in der Hauptstadt zur Hauptreisezeit zu bekommen, nicht leicht. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, der Stadt komplett den Rücken zu kehren und uns noch ein paar Tage im Grünen zu entspannen. Nun sind wir also in Glendalough und inhalieren statt Abgase Natur und gute Luft. Zum nächsten kleinen Laden laufe ich knapp drei Kilometer, um Milch, Brot und Eier zu kaufen, was zwar mit dem Kinderwagen anstrengend (weil hügelige Landschaft) sein kann, eben jene Landschaft mich dann aber auch gleich wieder für die Strapazen entschädigt. Rechts grasen Schafe im Vorgarten, links steht, in erschreckend grüne Grashügel eingebettet, die Ruine der Trinity-Kirche.

Zuerst haben wir auch das allgegenwärtige W-LAN noch vermisst. Es ist seltsames, für den lieben Herrn Freund geradezu erschrecken unbekanntes Gefühl, einmal nicht “on-line” zu sein, sondern dringende E-Mails in Modem-Geschwindigkeit über’s Handy zu versenden und ansonsten einfach abzuschalten. Der Alltag wird uns früh genug wieder haben.

 

Südwestdeutsche Anti-AKW-Initiativen nehmen Stellung zu Atomausstieg, Energiewende, Endlagersuchgesetz & AKW-Rückbau

Oct 14th, 2012 Posted in Atom, Gesellschaft und Politik | no comment »

Hier habe ich zur weiteren Verbreitung das Positionspapier der südwestdeutschen Anti-AKW-Initiativen reinkopiert. Damit es lesen kann, wer es lesen mag. Auch diejenigen, die es nicht lesen wollen, dürfen gerne einen Blick riskieren.
Die Rechte an jenem Papier liegen nicht bei mir, sondern bei den Autoren, bzw. den Initiativen, die hier bereits zur Genüge genannt wurden und sicher noch ein paar Mal genannt werden.

Thesen- und Positionspapier

des Zusammenschlusses der südwestdeutschen anti-akw-initiativen.

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Bedienungen

May 13th, 2012 Posted in Allgemeines, Dublin, Freiburg | no comment »

Vor einigen Jahren habe ich selbst als Bedienung gearbeitet. Im Queen of Tarts, einem der besten, frischesten und leckersten Cafes Dublins, wenn nicht gar Irlands — ich darf das sagen. Die beiden Chefinnen legten immer viel Wert (stark untertrieben) auf schnelles, freundliches, zuvorkommendes Arbeiten und ein surplus an Service. Die Messlatte lag ziemlich hoch.

In diesem Geist bin ich (zumindest in der Cafehausbranche) herangewachsen. Soviel zur Vorgeschichte.

Von hiesigen, sagen wir mal Freiburger Bedienungen erwarte ich eigentlich nicht viel. Vielleicht nur den Durchschnitt dessen, was man eben als durchschnittlich verwöhnter Gast so erwartet. Ein wenig Aufmerksamkeit vielleicht. Oder beachtet werden, gefragt werden, Wünsche erfüllt bekommen. Das Übliche.

In den letzten Wochen merke ich, wie es einigen Bedienungen schwer fällt, selbst diesen Basisanforderungen gerecht zu werden.

Bei unserer heutigen Sonntagswanderung zur Zähringer Burg, wo wir im dortigen Cafe/Restaurant einkehrten, konnten wir so ein Exemplar beim Arbeiten beobachten. Nachdem wir schon zehn Minuten an einem freien, aber eingesauten und noch nicht abgeräumten Tisch gesessen waren, ging Herr Freund (“ohne Betäubungsgewehr ist es hier wirklich schwer, eine Bedienung zu erwischen…”) auf sich aufmerksam machen und besorgte uns ein Pärchen Speisekarten. Besagte Bedienung kam irgendwann auch und räumte in Zeitlupe unseren Tisch ab. Leider hatte sie kein Hallo für uns übrig. Schade eigentlich. Denn da fühle ich mich immer gleich so gebauchpinselt. Liebgehabt. Oder einfach: willkommen. Bevor sie wortlos ging, bat ich sie, doch bitte mit einem nassen Lappen wiederzukommen… Sie können sich denken, wie unser Aufenthalt im Café weiter ging. Das Essen war trotzdem ziemlich lecker.

Ähnlich erging es uns am Maifeiertag in Busses Waldschänke. Gleich vorneweg: das Essen war (bis auf meines (“Feuriges Curry-Tofu auf Vollreisbett”), das zu scharf und dabei doch zu wenig gewürzt war) eine Köstlichkeit. Eine raffiniert gewürzte Delikatesse nach der anderen. Auch die Getränke (wir hatten uns zum Essen passende Weine, bzw. selbst hergestellte Holunder-Getränke kommen lassen) waren nahezu perfekt.

Von der Bedienfront her gesehen, war der Abend eine Enttäuschung. Obwohl wir reserviert hatten, war keiner auf uns vorbereitet, die Damen mit den Schürzen, Dank einer Geburtstagsfeier im Nebenraum, völlig überlastet. Wir warteten erstmal eine knappe Viertel Stunde bis wir Karten bekamen. Es verging jedes Mal eine gefühlte Ewigkeit, bis eine der Frauen zurück an unseren Tisch kam, um Bestellungen aufzunehmen. Kurz: wir fühlten uns wirklich vernachlässigt. Ungeliebt :-) .

Um unsere hungrige Tochter davon abzuhalten, das Tischtuch anzunagen, fragten wir nach einer halben Stunde vorsichtig nach einer Scheibe Brot für sie.

Nun ja, das alles war nichts zum Vorzeigen, keine Glanzleistung, nichts, worauf Busses Waldschänke stolz sein könnte. Trotz des guten Essens. Wir werden dem Restaurant noch eine Chance geben, allein schon wegen der tollen und frischen vegetarischen, bzw. veganen Menüs. Beim nächsten Mal erwarte ich jedoch wieder einen Service, der sich an den Preisen der Waldschänke messen lassen kann.

Wenn doch nur alle Bedienungen so aufmerksam, zuvorkommend und freundlich wären (eigentlich drei Attribute, die so völlig “ausgetreten”, beinahe selbstverständlich klingen) wie die im Queen of Tarts. Ich würde mir die kleine Auszeit in Café oder Bistro weit öfter gönnen.

Und ich denke, dass dies nicht nur für mich gilt.

Denkanstoß zum 26-Jährigen

Apr 26th, 2012 Posted in Atom, Gesellschaft und Politik, Was geschah am ...? | no comment »

Regelmäßig erinnere ich an dieser Stelle an den Super-GAU in Tschernobyl (Ukraine) im Jahr 1986. So auch heute, am 26. Jahrestag der Reaktorkatastrophe. Dieser steht wie sonst nur noch der 11.03. (hier begann die Atom-Unfallserie in Fukushima, Japan) für die Unbeherrschbarkeit der Kerntechnik.

Löblich, dass auch im dritten Jahrzehnt nach dem GAU noch darüber berichtet wird. Vor rund einem Jahr widmete sich ein –> Beitrag des Spiegel TV Magazins <– der stark verstrahlten Zone um das Atomkraftwerk Tschernobyl und der nahe gelegenen, heute verlassenen Stadt Prypjat.

Dass allerdings die EnBW* in Karlsruhe ausgerechnet an diesem denkwürdigen Tag, ja, ein Gedenktag an eine der größten Katastrophen, an einem Tag, an dem mehrere zehntausend Menschen ihre Heimat und viele tausend ihre Gesundheit, wenn nicht gar ihr Leben verloren haben, ihre Hauptversammlung abhält, ist eine geschmacklose Sache.

*Bei der Stromerzeugung steht die EnBW als drittgrößter deutscher Stromkonzern hauptsächlich für die menschenfeindliche und riskante Atomkraft und die klimafeindliche Kohleverstromung.

Immer wieder sonntags

Apr 22nd, 2012 Posted in Carolin, Freiburg | no comment »

Immer wieder sonntags spiele ich das gleiche Spiel. Ich sitze mit Herrn Freund nach einer (oder mehreren) Folge(n) von Serie XY auf der Couch. Ich schaue auf die Uhr und sage “So langsam wird’s Zeit”. Ich meine damit natürlich, dass Herr Freund und ich gut daran täten, uns von der weichen, warmen doppelten Sitzgelegenheit zu erheben und in Erwägung zu ziehen, sich im Badezimmer für die kommende, hoffentlich störungsfreie (wahlweise Kind oder Firmenhandy) Nacht herzurichten. Zähne putzen und so. Und gerne auch nacheinander. Muss nicht gemeinsam sein. Wir haben kein Altes-Pärchen-Problem.

“So langsam wird’s Zeit”. Und dann: “Oh nein! Es ist Sonntag! Ich muss ja noch was bloggen!” – “Ooh, gut, dass du mich daran erinnerst! Ich hab auch noch nicht…”. Und wieder einmal geht die Gelegenheit zum Teufel, die Woche erholt zu beginnen. Denn: ich will einfach nicht die einzige sein, die bei unserem (wohl nahen) Bloggertreffen die vielen Runden schmeißen darf. Hach. Eine Hass-Liebe, dieser Iron-Blogger.

10 Things I Hate about… Freiburg

Apr 2nd, 2012 Posted in Carolin, Freiburg, Gender, Gesellschaft und Politik | no comment »

Heute muss ich mich einfach mal schriftlich auskotzen mir einfach mal den Frust von der Seele schreiben.

Ich hasse…

Fußgänger, die auf dem Fahrradweg spazieren gehen, Eltern die ihre Kleinsten eben dort ihre ersten Laufradversuche unternehmen lassen und Jugendliche, die zu siebenundzwanzigst nebeneinander her und damit Gefahr laufen, von den schnellen, bösen Radfahrern über den Haufen gerannt zu werden.

Autofahrer, die geflissentlich die Schilder übersehen, welche auf Tempo 30-Zonen hinweisen und dort ordentlich aufs Gas drücken, wo Kinder auf der Straße (zu erwarten) sind. Die an Zebrastreifen nicht anhalten, obwohl mein Kind dort steht. Die ohne zu schauen einen Meter vor ihr vom Parkplatz aus über den Gehweg auf die Straße fahren. Die vor unserem Haus den Gehweg vollständig zuparken, sodass Fußgänger auf die Straße oder zumindest den Fahrradweg ausweichen müssen.

Fahrradfahrer, die im dichten Verkehr bei Rot über die Ampel fahren und auf diese Weise die Radler allgemein in Verruf bringen. Das einzige, was ich noch mehr hasse, sind Radler, die mir auf meiner, der richtigen, Seite des Radweges entgegen der Fahrtrichtung entgegen kommen. Und dann noch nicht mal auf den Gehweg ausweichen — nein, sie fahren mir auf der linken Seite meines Weges entgegen!

die arroganten und spöttischen Blicke des Zähringer Eisladenbesitzers, wenn ich — grün, wie ich nun mal bin — nicht auf den Wegwerfzug aufspringe, sondern ihm die aus dickem Kunststoff bestehenden Eisbecher (gereinigt versteht sich) mit der Bitte um zwei Kugeln Stracciatella erneut auf die Theke stelle. Btw: In meinem Heimatdorf gab es früher Waffelbecher oder zumindest noch Papierbecher. Kunststoffbecher zum Jedes-Mal-Wegwerfen geht gar nicht.

… es, ständig und überall kleine Mädchen in rosa, lila oder pinkfarbenen Klamotten sehen zu müssen. Oder mit Glitzer-, Glimmer- und Prinzessin Lillifee-Beschlag. Kaum ein Mädchen (beobachten Sie das ruhig mal, einfach mal umgucken und staunen) kommt ohne aus. Ich kann es einfach nicht mehr mitansehen, wie Eltern ihre Mädchen zu niedlichen, kleinen Püppchen machen. Muss ja nicht jeder seine Tochter in Unisex-Klamotten stecken (* nachobenschielpfeif*), aber mal ganz ehrlich: haben Freiburgs Eltern den Schuss nicht gehört? Rot, Gelb und Grün sind auch tolle Farben. Es gibt noch so viel mehr als immer nur Rosa mit Schleifchen.

… es, Samstags Abends ins Jazzhouse zu gehen und nach kurzer Zeit zu bemerken: hey, es gibt hier einfach keinen DJ! Da haben sie irgend jemanden abgestellt, der schön die Playlist durchklickt und zwar jeden Song von Alpha bis Omega. Nix Übergänge. Oder mal aufs Tempo schauen. So langsam glaube ich wirklich, dass es gestern in diesem eigentlich echt netten Club keinen DJ gab. Das ist für einen Samstag Abend in Freiburg einfach schwach.

Hundehäufchen auf den schönsten Laufwegen, Gässchen oder Spielwiesen Freiburgs. Und die dazugehörigen, verantwortungslosen Hundehalter, die ich jedes Mal zum Teufel wünsche, wenn ich oder mein Kind mal wieder unwissentlich in eine der stinkenden Hinterlassenschaften hineingetreten sind. Es gibt überall die kleinen, gelben Tüten, die in jedes Hosentasche passen.

… die schlampigen Mitbewohner unseres Hauses, die ihre kostenlosen Zeitungen (Der Sonntag, den Freiburger Wochenbericht, Werbung von Aldi, Real & Co. und was sonst alle paar Tage noch so ins Haus flattert) aus dem Briefkasten ziehen und sie dann genau dort liegenlassen: auf, neben oder unter dem Kasten. Bei uns wohnen 23 andere Mietparteien mit im Haus und mindestens die Hälfte von Ihnen entsorgt die ungeliebte Post auf diese Weise. Sehr assig. Und so sieht es dann vor unserem Haus auch aus. Wer das Zeug wegräumt? Wenn es nicht schon der Wind verweht hat, sammelt mein Freund das Altpapier ein und bringt es zur Großtonne.

… die 50%-Rabatt-Kiste in der Obst- und Gemüseabteilung des Zähringer Edekas. Was da drin liegt ist entweder faul, angegammelt oder schimmelig und es erschließt sich mir in keinster Weise, wieso diese Art der Kompostentsorgung noch nicht längst dem WKD aufgefallen ist. Nun ja, ich muss es ja nicht kaufen. Aber frech finde ich es dennoch. Ich bin ja schließlich Kunde und kein Hausschwein.

… es, wenn Eltern ihre Kinder wie kleine Erwachsene kleiden (um noch mal zum Klamotten-Thema zurück zu kommen). Weil es doch soo niedlich/cool aussieht. Manche Vierjährige kommt schon total aufreizend angezogen in den Kindergarten meiner Kleinen. Hautenge Leggins mit Spitze, kombiniert mit engem Jeansmini und kurzem Jäckchen. Dabei müssen Kinderklamotten doch nur eins sein: praktisch. Und sie müssen bequem sein. Welches Mädchen kann, respektive darf denn schon mit seinen Lackballerinas und dem Tweed-Kleidchen auf dem Kletterbaum herumturnen? Und bei den Jungs? Auch nicht besser: wenn der Ralph Lauren-Kaschmirpullover und die teure Dieseljeans beim Spielen im Dreck Flecken kriegen. Kinder sollten wie Kinder gekleidet werden. Spätestens mit 14 sehen sie sowieso aus wie die 40-Jährigen von heute. Dann doch lieber mal eine nette Stoffhose und ein Sweatshirt mit freundlichem Tierprint drauf. Ja, nicht besonders cool. Aber man hebt sich damit mittlerweile wohltuend von der (H&M-benebelten) Masse ab.

Rrrr.

Das musste einfach raus.

Jetzt geht es mir besser.

Vor? Zurück? Ich weiß es nicht.

Mar 25th, 2012 Posted in Allgemeines | 2 comments »

Jedes Jahr in Frühling und Herbst geraten erneut Millionen von Menschen ins Grübeln. Bekommen wir eine Stunde geschenkt oder wird uns eine genommen? Wie war das nochmal?

Es gibt ja viele Zeitumstellungs-Eselsbrücken, die man irgendwann mal irgendwo gelesen hat. Am fraglichen Tag steht man dann meist dennoch mit Denkfalten in der Stirn vor der Uhr und überlegt, in welche Richtung die Zeiger nun wieder gedreht werden sollen.

Diese hier ist richtig gut: “Spring forward, fall back!” (Man stelle sich einfach ein ausgelassen nach vorne springendes Kind vor, das sich nach kurzer Zeit wieder zurückfallen lässt.) Seit ich mir das Sprüchlein gemerkt habe, habe ich nie mehr Probleme mit der Zeitverschiebung gehabt.

Touching the Void — Sturz ins Leere

Mar 19th, 2012 Posted in Auf Papier!, Was geschah am ...? | no comment »

Selten hängt das Leben an einem seidenen Faden. In diesem Falle an einem Seil. Joe Simpson ist an dessen Ende angegurtet. Er baumelt einige Meter unterhalb einer Eisklippe, über die er kurz zuvor gerutscht ist — unter ihm gähnender Abgrund. So schwarz, dass er keinen Boden unter sich ausmachen kann. Über ihm — am obere Ende des Seils — sein Freund Simon, der langsam von Joes Gewicht in Richtung Abgrund gezogen wird. Um nicht selbst auch noch abzustürzen, kappt Simon mit einem Messer das Seil, das beide verbindet…

Joe Simpson und Simon Yates sind zwei junge, erfahrene Bergsteiger die 1985 die Erstbesteigung des Siula Grande, eines 6344 m hohen Berges in den peruanischen Anden vornehmen. Vom Basislager in 4500 m Höhe aus, in dem Freund Richard Hawking wartet, steigen die beiden zum Gipfel auf, verweilen aufgrund des sich verschlechternden Wetters aber nur kurz, um über den schwierigen Nordkamm und später über die Westflanke abzusteigen.

Auf 5800 m stürzt Joe wenige Meter ab und bricht sich dabei das rechte Bein samt seines Kniegelenks. In den Anden bedeutet eine solche Verletzung den sicheren Tod. Trotz Verletzung, langsam ausgehender Gas-, Essens- und Wasservorräte sowie ersten Erfrierungserscheinungen bei beiden, versucht Simon, seinen Freund lebend vom Berg zu bringen. Mittels einer Abseiltechnik, bei der zwei 45-Meter-Seile aneinandergeknotet werden, verlieren sie schnell an Höhe.

Doch es wird immer dunkler und kälter und bei einer der letzten “Rutschfahrten” gleitet Joe über eine Eiskante. Weil die Westflanke mit losem Schnee überzogen ist, gibt es für Simon keinen Halt und keine Möglichkeit, sich selbst und seinen Freund zu sichern. Er wird unweigerlich durch Joes Gewicht nach unten gezogen. Kurz bevor das beinahe Unvermeidliche passiert, schneidet er das Seil durch und Joe stürzt in die Tiefe.

Trotz seiner schweren Beinverletzung überlebt Joe den Sturz in die Gletscherspalte. Er verbringt die einsamste und grauenvollste Nacht seines Lebens dort, kann sich durch ein erneutes Abseilen auf einen Zwischenboden und durch eine daran anschließende, anstrengende Aufstiegstechnik jedoch aus der Spalte befreien.

Joe weiß, dass Simon das Seil gekappt hat, und dass jener glaubt, er sei tot. Sein ganzes Verlangen ist es nun, es lebend zum Basislager zurück zu schaffen, bevor seine Kollegen wieder in die Zivilisation aufbrechen. Simon wiederum schwankt zwischen schlimmen Selbstvorwürfen und rationalen Erklärungen der Selbsterhaltung. Überzeugt von Joes Tod verbrennt er dessen Kleider in einer Art Abschiedszeremonie.

Mit schier übermenschlichen Kräften, Halluzinationen, aber ohne Nahrung und Wasser und unter starken Schmerzen seines nunmehr auf die doppelte Dicke des ursprünglichen Umfangs angeschwollenen Beins, humpelt, kriecht und rutscht Joe in Richtung des rettenden Basislagers. Nach drei Tagen ist er diesem zwar recht nahe, seine Lebenskraft jedoch am Ende.

Unter der letzten Willensanstrengung ruft er nach Simon – der ihn tatsächlich hört. Richard und Simon finden den beinahe bewusstlosen Joe in der Dunkelheit und bringen ihn mit Hilfe von Mauleseln sicher nach Lima, wo er die rettende Erstoperation erhält.

Sturz ins Leere (im Original Touching the Void) ist eines der unglaublichsten Dokumente alpiner Grenzsituationen. Erst der Absturz mit Beinverletzung, dann der lebensgefährliche Sturz in die Gletscherspalte, danach die Selbstrettung in einem der unwirtlichsten (und daher unbewohnten) Gebiete der Erde. Jedes Mal wenn ich spät Abends das Buch aus der Hand legen musste, um noch ein paar wenige Stunden Schlaf zu erhaschen, ließ ich diesen einsamen, verletzten Joe zurück, was mir, angesichts seiner hoffnungslosen Lage, beinahe selbst weh tat.

Unter Bergsteigern wurde Simon Yates öffentlich angefeindet. Das Seil zwischen zwei Kletterern ist eine Art Lebensversicherung, ein Durchtrennen desselben käme einem Verrat gleich. In vorliegendem Fall erwies sich der Akt jedoch als lebensrettend für beide. Wäre Simpson noch länger gehangen (schließlich schwebte er bereits seit fast einer Stunde bewegungsunfähig mit erfrorenen Fingerspitzen in einer eiskalten und zugigen Spalte), wäre er — genauso wie Yates oben an der nicht wärmeren, zugigen Bergflanke — vermutlich erfroren. Simpson selbst verteidigte Yates’ Tat immer wieder und bekräftigte, dass er in der gleichen Situation wohl ebenso gehandelt hätte.

Joe Simpson war schon wenige Jahre wieder am Berg unterwegs — nach zahlreichen Operationen war sein Knie wieder einsatzbereit, was alleine schon an ein Wunder grenzt. Andere hätten vermutlich ihre eigenen Lehren aus diesem Stück gezogen und die wunderbare Welt des Alpinismus fortan aus sicherer Entfernung betrachtet. Für was gibt es Bildbände und Dokus? Fazit: dieses Buch ist für Bergfreunde ein Muss, für alle anderen wirklich eine Empfehlung wert, weil erlebte, erzählte Geschichte und daher jeder Fiktion überlegen.

10./11. 03. 2012: Im Zeichen der roten Sonne

Mar 12th, 2012 Posted in Allgemeines, Atom, Carolin, Freiburg, Was geschah am ...? | no comment »

Vor genau einem Jahr? Was war da noch gleich?

Über Japan brach eine gleich dreifache Katastrophe herein, die in der langen Geschichte des Landes einzigartig war. Und ist. Von Erdbeben, Tsunami und deren Folgen hat sich Japan längst nicht erholt.
Das Super-GAU in Fukushima macht ganze Landstriche auch in weiter Zukunft faktisch unbewohnbar (auch wenn sich — natürlich — wie 1986 um Pripjat auch, trotzdem einige Menschen nicht aus ihrem angestammten Gebiet, aus ihrer Heimat vertreiben lassen).

Die gestrige Mahnwache mit Menschenkette entlang der KaJo in Freiburg wollte die Erinnerung an dieses Unglück hochhalten und an die Unsicherheit und Nicht-Beherrschbarkeit der Hochrisiko-Technologie Atomkraft — nicht nur in Japan, sondern weltweit — erinnern. Zusammen mit anderen Freiburgerinnen und Freiburgern reihten wir uns in die Kette ein. Demoerprobt wie mein Kind nun mal ist, wie soll ich es anders sagen (“Wann gehen wir endlich mal wieder auf eine Demo?”), und ausgerüstet mit Flagge und Aufkleber, zog es gleich die mediale Aufmerksamkeit auf sich. Hihi, die anwesenden Japaner haben auch dieses Mal das knipsende und filmende Klischee voll bedient.

Und was, außer Japaner und Atomunfall, lässt uns noch an das Land der aufgehenden Sonne denken? Tofu. In Form der tollen Taifun-Produkte (ist Taifun nicht auch ein japanisches Wort?), die es seit Anfang des Monats auf dem Münsterplatz zu kaufen gibt.

Die beste Idee seit langem: Scharfe Rostbräterle mit Röstzwiebeln im Weckle! Und alles vegan. Und eine meterlange Warteschlange vor dem Taifun-Wagen inklusive. Nun ja, das Warten hat sich in jedem Fall gelohnt. Mit unseren leckeren Tofuwürstchen ließen wir uns am Rande des Münsterplatzes nieder, um drei jungen, talentierten Musikerinnen (Supernova -> sind auch auf Facebook) zu lauschen.

Sehr relaxter Tag. Und so grün. Und so nachhaltig. Karma-Anstieg. :-)

Fastenspiele

Mar 4th, 2012 Posted in Carolin, Freiburg, Gesellschaft und Politik | no comment »

Ich finde es sehr interessant, zu welchen Spielarten des Fastens sich Leute heutzutage hinreißen lassen. In meiner Kindheit (und wahrscheinlich weit davor) verzichteten viele Menschen in den vierzig Tagen zwischen Fastnacht und Ostern — wenn überhaupt — auf die wortwörtlichen fleischlichen Genüsse, die den Schinken und auch das magere Putenfleisch miteinschlossen. Fasten bezog sich fast ausschließlich auf Essbares. Man fastete weniger mit der Seele als mit dem, bzw. durch den Leib.

Heute machen sich in meinem Bekanntenkreis neue Variationen des Verzichts breit. “Kein Facebook für die nächsten fünfeinhalb Wochen!” ist das Credo einer Freundin. “Sinnlos-Kommunikationsfasten” also. Eine andere auferlegt sich das Serienfasten: keine tägliche Stunde ARD-Vorabendsoaps mehr. Die dadurch gewonnene Zeit will sie mit kreativen Handarbeiten zubringen.

Als ich am Montagnachmittag, beide Müllbeutel in der Hand, den Füllstand und den Inhalt (Verpackung über Verpackung, Kunststoffe wohin das Auge blicke, Kleinmöbel und Turnbeutel) unserer Mini-Müllcontainer begutachtete, die erst mittwochs geleert werden sollten, fiel mir eine weitere sinnvolle Variante ein: wie wäre es mit Müllfasten? Einmal ganz bewusst über einen bestimmten Zeitraum hinweg auf vermeidbare und überflüssige Umverpackungen zu verzichten. So wenig Müll jeglicher Art — Kompost einmal ausgenommen — zu produzieren, um damit den eigenen CO2-Fußabdruck zu minimieren.

Wäre es nicht eine ausgesprochen prickelnde Idee, wenn möglichst viele Leute einmal für einen Monat oder so auf’s Müll-Machen verzichteten? Dass das gar nicht so einfach ist, merkt man spätestens beim Blick in den nächsten Supermarkt. Geht man nicht gerade zu Lidl & Co., bekommt man lediglich Brot, Obst und Gemüse ohne Verpackung angeboten. Eventuell noch den Käse oder das Fleisch an der Frischetheke.

Hier wie dort gilt jedoch, dass man sich richtig bemühen muss, die Abfallproblematik zu umschiffen. Will heißen: das frische Brot transportiert man im mitgebrachten Brotbeutel aus Stoff, für Käse, Wurst und Fleisch werden Tupper-Boxen mitgebracht. Früchte und Gemüse haben schon von Natur aus eine Art Verpackung und benötigen eigentlich keine Plastiktütchen drumherum. Eigentlich. Weil man die fünf Äpfel in der einen und die drei Kiwis in der anderen Hand aber nur selten gern zur Kasse jongliert, greift man dann aber doch lieber zur Tüte.

Es zeigt sich, dass es ein gutes Stück Planung und vor allen Dingen Durchhaltevermögen braucht (und wahrscheinlich auch ein dickes Fell, um die befremdlichen Blicke von Verkäuferinnen und sonstigen Kundinnen aushalten zu können), das Müllfasten tatsächlich sechs lange Wochen durchzuziehen. Wer allerdings aus finanziellen Gründen darauf angewiesen ist, sein Gemüse bei Aldi und das SB-Brot bei Penny zu kaufen, dem ist anzuraten, auf eine andere Form des Fastens zurückzugreifen.

Ich selbst werde in der Fastenzeit darauf verzichten, mir in den Freiburger Eisdielen jedes Mal ein neues Wegwerf-Plastikbecherchen geben zu lassen. Bei mir werden die Teile gespült und kommen erneut zu Einsatz. Den skeptischen Blick unseres Eisverkäufers ignoriere ich inzwischen gekonnt, wenn ich ihm meinen Becher mit der Bitte um zwei Kugeln Stracciatella-Eis über die Theke reiche. Und wer weiß, vielleicht finden sich ja bald Nachahmer. Seinem Karma schlägt man somit bestimmt ein Paar Punkte zu. Eisbecherfasten. Lecker.